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Die Lehren aus den Adventist Health Studies

Um den Zusammenhang zwischen der Ernährung und verschiedenen Krankheiten besser verstehen zu können, brauchen wir kontrollierte Studien, die verschiedene Populationen über einen längeren Zeitraum begleiten und die Ernährungsgewohnheiten und den Gesundheitszustand dokumentieren. Die Studien, die am häufigsten zitiert werden, weil sie hervorragende und zuverlässige Daten liefern, sind die Adventist Health Studies.

Die Adventist Health Studies sind ein wissenschaftliches Projekt der Loma Linda Universität in Kalifornien mit dem Ziel, den Zusammenhang zwischen dem Lebensstil, der Ernährung und verschiedenen Erkrankungen zu erforschen. Die untersuchte Population sind kalifornische Siebenten-Tags-Adventisten. Sie gehören zu den sogenannten “Blue Zones“, also zu den Regionen der Erde, wo die Menschen besonders alt werden.

Siebenten-Tags-Adventisten haben generell ein geringeres Krankheitsrisiko, weil sie aus religiösen Gründen auf Alkohol, Nikotin, Kaffee, und Schweinefleisch verzichten, sie betrachten ihren Körper als “Tempel”. Die meisten Adventisten ernähren sich vollwertig, häufig vegetarisch, oder sogar vegan. Dementsprechend selten sind Übergewicht sowie Stoffwechsel-, Krebs- und Herzerkrankungen.

Adventisten ernähren sich sehr gesund und essen gern in Gemeinschaft
Adventisten ernähren sich aus religiösen Gründen sehr gesund

Dass eine gesunde Lebensweise für Adventisten eine sehr große Rolle spielt, weiß ich aus eigener Erfahrung. Meine Eltern gehören zu dieser Freikirche und ich war bis zu meinen Mittzwanzigern selbst aktiv in der Gemeinde, bevor ich aus persönlichen Gründen zu einer anderen Kirche konvertiert bin. Ich habe bereits mit 10 Jahren Vorträge über Vollwertkost gehört und Rezepte für Frischkornbrei und Grünkernbratlinge ausprobiert (in einer Zeit, in der es noch keine Reformhäuser gab). Umso spannender fand ich es, als ich herausfand, dass die Siebenten-Tags-Adventisten “Forschungsgegenstand” sind.

Über einen Zeitraum von 40 Jahren sind zwei große Studien durchgeführt worden, an einer haben 24.000 kalifornische Adventisten teilgenommen, an einer anderen 34.000. Momentan läuft eine dritte Studie mit 96.000 Teilnehmern. Bei einer so großen Menge Probanden sind die Daten sehr aussagekräftig.

Das besondere an diesen Studien ist, dass sie Menschen miteinander vergleicht, die gesund leben und sich sehr gesund ernähren – allerdings mit Abstufungen. Unter Adventisten gibt Veganer, Vegetarier, Pescetarier, und “Allesesser”. Aber auch diejenigen, die Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte essen, nehmen reichlich Obst, Gemüse, Nüsse und Vollkornprodukte zu sich. Da andere Krankheitsrisiken wie Alkohol oder Nikotin ausgeschlossen werden können, lässt sich sehr gut beobachten, welche Auswirkungen die Ernährung auf den Gesundheitszustand hat.

Adventist Health Studies - die Auswirkungen der Ernährung auf den Gesundheitszustand
Da Adventisten weder rauchen noch trinken, lassen sich diese Krankheitsrisiken ausschließen

Die Sterblichkeitsstudie

In der ersten Studie, der “Adventist Mortality Study”, wurde nur die Sterblichkeit untersucht. Sie lief über einen Zeitraum von ca. 8 Jahren und begann im Jahr 1958 mit 23.000 Teilnehmern. Die Lebenserwartung und der Gesundheitszustand der Adventisten in Loma Linda wurde mit kalifornischen Nicht-Adventisten verglichen.

Die Sterblichkeits-Studie ergab Folgendes:

  • adventistische Männer lebten im Schnitt 6,2 Jahre länger als Nicht-Advenisten; Frauen lebten 3,7 Jahre länger
  • Herzerkrankungen waren unter den vegetarischen Adventisten deutlich seltener als bei den Nicht-Vegetariern
  • der regelmäßige Verzehr von Eiern erhöhte die Gesamtsterblichkeit, der regelmäßige Verzehr von grünem Blattgemüse senkte die Sterblichkeit
  • Verglichen mit anderen Kaliforniern, starben Adventisten seltener an Krebs allgemein (Männer 40% seltener als Nicht-Adventisten, Frauen 25% seltener), Lungenkrebs (79% seltener), Darmkrebs (38% seltener), und Brustkrebs (15% seltener)
  • Verglichen mit Nicht-Advenisten starben die Adventisten ebenfalls seltener an Herzerkrankungen (Männer 36% seltener, Frauen 2% seltener)
Eine gesunde Ernährung schützt vor den typischen Zivilisationskrankheiten
Adventisten sterben sehr viel seltener an ernährungsbedingten Krankheiten, und sie leben länger

Die erste Gesundheitsstudie (AHS-1)

Die darauffolgende Studie begann 1974 und lief bis 1988, sie hatte 34.000 Teilnehmer. Der Fokus bei dieser Studie lag darauf herauszufinden, welcher Aspekt der Lebensweise der Adventisten einen besonders schützenden Effekt vor bestimmten Erkrankungen hat. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:

  • adventistische Männer lebten im Schnitt 7,3 Jahre länger als die restlichen Kalifornier, adventistische Frauen im Schnitt 4,4 Jahre
  • Vegetarier hatten seltener Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und eine geringere Gesamtsterblichkeit als die Fleischesser unter den Adventisten
  • bei Männern zeigte sich ein starker Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und tödlichem Herzinfarkt
  • eine Reduzierung des Verzehr von rotem und weißem Fleisch senkte das Risiko an Darmkrebs zu erkranken
  • der Verzehr von Hülsenfrüchten schützte vor Darmkrebs
  • der Verzehr von Nüssen mehrmals in der Woche senkte das Risiko für einen Herzinfarkt um bis zu 50%
  • Nicht-Vegetarische Adventisten hatten ein um 88% erhöhtes Risiko an Dickdarmkrebs zu erkranken verglichen mit den Vegetariern
  • der Verzehr von Vollkornbrot statt Weißbrot senkte das Risiko für einen nicht-tödlichen Herzinfarkt um 45%
  • das Trinken von mehr als 5 Gläsern Wasser am Tag senkte das Risiko für Herzerkrankungen um bis zu 50%
  • Männer, die sehr viele Tomaten aßen, senkten ihr Prostatakrebs-Risiko um 40%
  • der Konsum von Sojamilch von mehr als einmal am Tag senkte das Prostatakrebs-Risiko um 70%
Hülsenfrüchte schützen vor Darmkrebs
Der regelmäßige Verzehr von Hülsenfrüchten schützt vor Darmkrebs

Die zweite Gesundheitsstudie (AHS-2)

Die zweite Studie zur Gesundheit von Adventisten begann im Jahr 2002 mit dem Ziel, 125.000 Probanden aus Amerika und Kanada aufzunehmen. Im Mai 2006 umfasste die Studie 96.000 Teilnehmer. Da die Studie noch läuft, gibt es noch keine Endergebnisse; allerdings gibt es bereits einige Zwischenergebnisse.

Hier ein kleiner Überblick, wie die Gruppen eingeteilt wurden:

  • Als vegan wurden alle eingestuft, die Fleisch/Fisch/Ei und Milchprodukte weniger als einmal im Monat konsumierten (7,6% der Teilnehmer)
  • Ovo-Laktovegetarier konsumierten Ei und Milchprodukte mindestens einmal im Monat, aber Fleisch und Fisch weniger als einmal im Monat (28,9% der Teilnehmer)
  • Pesco-Vegetarier konsumierten mindestens einmal im Monat Fisch, aber weniger als einmal im Monat Fleisch (9,8% der Teilnehmer)
  • Semi-Vegetarier konsumierten Fleisch mindestens einmal im Monat oder mehr und Fisch und Fleisch zusammen genommen nicht mehr als einmal pro Woche (5,5% der Teilnehmer)
  • Nicht-Vegetarier konsumierten Fleisch und Fisch mehrmals in der Woche (48,2% der Teilnehmer).

Die durchschnittliche Dauer der Ernährungsweise betrug für die Veganer 21 Jahre, die Ovo-Laktovegetarier 29 Jahre, 19 Jahre für die Pesco-Vegetarier, 24 Jahre für die Semi-Vegetarier und 48 Jahre für die Nicht-Vegetarier.

Ergebnisse:

  • je weniger tierische Lebensmittel konsumiert wurden, desto geringer war das Körpergewicht; der BMI von Veganern lag im Schnitt um 5 Punkte unter dem von Vegetariern
  • je mehr pflanzliche Lebensmittel konsumiert wurden, desto geringer war das Risiko an Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Bluthochdruck, und dem metabolischen Syndrom zu erkranken
  • der regelmäßige Verzehr von gekochtem grünem Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Trockenfrüchten war mit einem geringem Risiko für Dickdarmpolypen assoziiert, der Vorstufe von Dickdarmkrebs
  • das Risiko an Diabetes zu erkranken war bei Adventisten, die sich rein pflanzlich ernährten, um 78% niedriger als bei Adventisten, die auch Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte konsumierten
  • Adventisten, die sich ovo-lakoto-vegetarisch ernähren (also Milchprodukte und Eier essen, aber kein Fleisch und Fisch) senkten ihr Diabetesrisiko immer noch um 61%
Pflanzliche Lebensmittel senken das Risiko für Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen, Krebs und Herzerkrankungen
Je mehr pflanzliche Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen, umso geringer ist das Risiko für ernährungsbedingte Krankheiten

Was ich persönlich interessant finde, ist der Umstand, dass auch Menschen, die weniger als einmal im Monat tierische Produkte konsumieren, zur Gruppe der Veganer gezählt wurden. Faktisch ist das natürlich falsch, da eine vegane Ernährung tierische Lebensmittel komplett ausschließt. Aber es deckt sich mit meinem Verständnis von einer überwiegend pflanzlichen Ernährung, in der tierische Produkte zwar keinen festen Platz haben, aber auch nicht komplett ausgeschlossen werden.

Diese weniger restriktive Sichtweise könnte sicher vielen die Hürde einer Ernährungsumstellung nehmen. “NIE WIEDER” Fleisch, Fisch oder Käse essen zu “dürfen” ist für sehr viele Menschen abschreckend. Vom gesundheitlichen Standpunkt aus gesehen reicht es, den Verzehr von tierischen Lebensmitteln auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Ich persönliche halte das für sehr sinnvoll, auch wenn ich selbst aus ethischen Gründen zu 100% auf tierische Lebensmittel verzichte.

Meine Empfehlung: wenn du aus gesundheitlichen Gründen auf tierische Lebensmittel verzichten möchtest, aber dich das Label “vegan” abschreckt und du dich auch nicht als “Veganer” bezeichnen möchtest, dann ernähre dich “überwiegende pflanzlich” und kommuniziere das auch so an dein Umfeld. Damit lässt du dir ein kleinen Schlupfloch offen und wirst weder stigmatisiert noch kritisiert.

Letztendlich kommt es nicht darauf an, was du einmal im Monat ausnahmsweise isst, sondern darauf, was du jeden Tag isst – und da sollte dein Teller mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Obst, Gemüse und pflanzlichen Eiweißträgern wie Sojajoghurt oder Tofu gefüllt sein.

Es kommt nicht darauf an, was man vielleicht einmal im Monat isst, sondern auf das was man täglich zu sich nimmt
Es kommt vor allem darauf an, was du täglich isst

Fazit

  • die Adventist Health Studies erforschen den Zusammenhang zwischen der Ernährung und verschiedenen Erkrankungen
  • die untersuchte Population ist sehr gesundheitsbewusst und ernährt sich generell (mit Abstufungen) gesund
  • je weniger tierische Produkte Bestandteil des Speiseplans sind, desto seltener treten Übergewicht und andere typischen Zivilisationskrankheiten wie das metabolischen Syndrom, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Herzerkrankungen und verschiedenen Krebsarten auf
  • je mehr pflanzlichen Lebensmitteln gegessen werden, desto ausgeprägter ist der schützende Effekt
  • der Konsum von sehr geringen Mengen tierischer Produkte (weniger als einmal pro Monat) hat keinen negativen Effekt auf die Gesundheit
  • auf eine überwiegend pflanzliche Ernährung umzusteigen kann die Hürden senken, die eine Ernährungsumstellung auf eine rein “vegane” Ernährung mit sich bringen

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